Hier bin ich wieder. Und ich berichte Neues und Kurioses (vielleicht) vom anderen Ende der Welt. Fange ich doch mal mit der Arbeit an.
Eine Person, deren Name anonym beibt, hat nach dem "Geheimnis der Kiwi" gefragt bzw. was denn eigentlich eine 'schlechte' Kiwi ist. Diese Frage lässt sich einfach beantworten. Kiwis die zu flach sind oder zu klein, werden runtergepflückt. Dann gibt es noch solche, die zusammengewachsen sind, die müssen auch weg. Ach ja und manche haben auch einfach schlechte Stellen, die dürfen dann natürlich auch nicht hängen bleiben. Hört sich einfach an, ist es prinzipiell auch. Das Problem ist nur, dass ich das Gefühl habe, dass auf jedem Feld 'klein' und 'flach' anders definiert werden.
Die Felder sind immer in Reihen aufgeteilt. Wir sind meistens zu zweit in einer Reihe und dann geht der Spaß los. Wäre alles halb so schlimm, wäre da nicht noch immer ein Inder, der hinter uns herläuft und kontrolliert. Mindestens einmal am Tag kommt dann "You leave too much rubbish" oder aber "Too much good fruit on the ground". Das wechselt immer mal, ich vermute, je nach Laune des Inders, Recht machen kann man es ihnen eigentlich nie. Manchmal ist dann aber auch der big boss da. Greyham (man merkt schon am Namen, kein Inder). Greyham ist der Chef des Kiwi-Packhauses, an das die Kiwis dann geliefert werden, sobald sie reif sind (was im April der Fall ist). Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass wir nicht indischer Herkunft sind, auf jeden Fall ist Greyham vollkommen zufrieden (um nicht zu sagen begeistert) mit unserer Arbeit und deswegen geht das Gelaber der Inder mittlerweile nur noch ins eine Ohr rein und durchs andere wieder raus.
Hier mal ein paar Beispiele von 'schlechten' Kiwis:
Was gibt es noch für Highlights. Die Inder sind alle komisch. Mittlerweile reden sie zumindest ein bisschen mit uns (mehr Bedarf unsererseits besteht allerdings auch nicht). Die Fragen begrenzen sich allerdings auf "Are you married?" und "Do you have only one boyfriend?". Herrlich. Ansonsten ist die Arbeit nach wie vor wirklich langweilig. Die playlist meines ipods kenne ich inzwischen mehr oder weniger auswendig und Bibi Blockberg kann ich auch nicht mehr hören :-)
Aber es gibt ja auch angenehme Arbeit. Die Arbeit im Restaurant macht riesigen Spaß und ich finde es wirklich schade, dass ich nun demnächst wieder abreise und dementsprechend auch das Restaurant verlasse.
Vor zwei Wochen war der big boss aus Christchurch für zwei Tage im Restaurant (es gibt insgesamt 20 (vor dem Erdbeben in Christchurch waren es 21) LoneStar Restaurants in Neuseeland), um sich mal anzugucken, ob alles richtig läuft etc. Alle waren natürlich super angespannt, aber letztendlich haben wir uns alle gut geschlagen, denke ich. Ein offizielles feedback haben wir noch nicht.
Am Wochenende hatte ich das Vergnügen mit einer Neuanstellung bzw. eventuell bald Neuanstellung (ich hoffe im Sinne der LoneStar-Kunden, dass es dazu nicht kommt). Name: Jessie. Alter: 15. Herkunft: Kiwi. Oh mein Gott!!! So etwas bratziges ist mir wirklich selten untergekommen. Nur um mal ein Beispiel zu nennen, folgende Situation. Zwei Gerichte sollen rausgebracht werden. Ich schnapp mir die Teller und frage Jessie, ob sie weiß, welche Gerichte das sind (um ihr zu helfen, die möglichste schnell zu lernen). Ein Gericht ist chicken, das andere ein Steak. Sie weiß es nicht, also sage ich, das hier (chicken) ist ein 'Johnny Cash'. Und frage dann, ob sie weiß, was das andere ist. Darauf Jessie "Ist das nicht das Gleiche?" Ok, zugegeben, es war auf beidem die gleiche Soße drauf, aber man sollte doch schon paniertes Hühnchen von einem Steak unterscheiden können... Ahhh und so ging das den ganzen Abend, die hat mich echt wahnsinnig gemacht. Ich kann wie gesagt nur hoffen, dass sie den Job nicht bekommt.
So viel zur Arbeit. Was gibt es noch... Ach ja, die Delphintour. Nachdem ich ja in Paihia leider keine Delphintour gemacht habe, konnte ich die Leutchen hier überzeugen und so wurde eine Tour gebucht. Letzte Woche Dienstag sollte es dann losgehen. Aber um die Geschichte komplett zu machen, muss ich am Abend vorher anfangen.
Es ist also Montagabend. Wir saßen alle vorm Fernseher und haben das Ende unseres freien Tages genossen (es hatte geregnet, deswegen keine Kiwiarbeit), als Mart plötzlich auf den Brasilianer (zu dem Zeitpunkt seit einigen Tagen ebenfalls Bewohner des Hostels) aufmerksam wird. Der Gute lief mit seinem Handy durch die Gegend und fängt an, die Wände des Hostels zu filmen und dabei vor sich hin zu brabbeln. Wir uns schon leicht gewundert, aber gut, lassen wir ihm seinen Spaß, dachten wir. Es wurde allerdings nicht besser, er hat dann irgendwann draußen auf der Straße gestanden und die vorbeifahrenden Autos gefilmt. Spätetens da stand fest, dass hier eindeutig irgendwelche Substanzen im Spiel sind. Wir haben uns dann aber nichts weiter dabei gedacht, ist ja sein Leben. Am nächsten Morgen sollte dann in aller Frühe die Delphintour starten. Ich war die erste, die aufgestanden ist (es war halb sieben) und sehe auf dem Weg ins Badezimmer den Brasilianer, der wie ein Bekloppter gegen seine Zimmertür haut. Hab nur gedacht "Alter, bist du eigentlich noch ganz dicht", hab aber nichts gesagt. Im Bad bin ich dann auf Fiona (Freundin des Hostelbesitzers Toni; Toni und Fiona sollten auch mit zur Delphintour) getroffen, die schon richtig angepisst war (eben wegen jenem Brasilianer). Dann sitzen wir in der Küche zum frühstücken, als Mart reinkommt und nur meint "Was macht denn die Polizei vor der Tür?" . Der gute Brasilianer hatte nicht nur im Hostel Radau gemacht, sondern ist auch draußen vor der Kamera ein wenig durchgedreht, sodass kurzerhand mal die Polizei vorbeigekommen ist. Eigentlich nur, um ihn zurechtzuweisen, leider ist er daraufhin komplett am Rad gedreht. Hat rumgeschrien, die Polizisten beleidigt etc. Draufhin ist er dann festgenommen worden und durfte den Weg ins Polizeiauto antreten. Japp und das alles noch vor acht...
Nach der Aufregung haben wir es letztendlich aber doch noch rechtzeitig aufs Boot geschafft und die Tour konnte starten.
Was soll ich sagen. Kurz und knapp, das Wetter war beschissen und außer jeder Menge Treibholz haben wir nichts gesehen. Und wer ist Schuld?! Ich kanns euch sagen, Linn. Linn hat es nämlich gewagt eine Banane mit aufs Boot zu bringen. Und das bringt bekanntermaßen (mir war es nicht bekannt, Linn anscheinend auch nicht :D) Unglück. Ich hatte noch relativ viel Spaß, da es ziemlich windig war und das Boot über echt coole Wellen musste. Des einen Freud ist des anderen Leid. Pia und Celine hingen, sagen wir mal 75 % der Fahrt, über der Reling...
Wir hatten nun aber alle bezahlt und Geld zurück gibts nicht, also hieß es drei Tage später, wieder rauf aufs Boot. Dieses Mal ohne Polizei am frühen Morgen und Pia und Celine waren mit Seekrank-Tabletten auch gut gerüstet. Nachdem Mittwoch und Donnerstag die bislang heißesten Tage des Sommers waren, versprach der Freitag erneut nicht wirklich grandios zu werden, aber immerhin besser als Dienstag. Also dann, kurz und knapp, der Bericht des Tages. Kein Regen, Pia und Celine nur einmal kurz über der Reling, ein fliegender Fisch, ein Pinguin, keine Delphine! Boah...war ich angepisst. Ein Fortschritt gegenüber Dienstag, trotzdem ätzend. Und dass obwohl ich die einzige bin, die auf dem Boot nicht die leistesten Anzeichen von Übel oder dergleichen verspürt. Ihr könnt euch vorstellen, wie es dem Rest ging. Gut, was soll man machen, alle guten Dinge sind drei.
Freitagabend dann ein weiteres Highlight. Dieses Mal saßen nur Pia und ich im Wohnzimmer, als plötzlich der Brasilianer hereinspaziert, als wäre nie etwas gewesen. Toni meinte daraufhin "Du hast hier Hausverbot, ich ruf die Polizei" Wodrauf der Brasilianer antwortet "Jo, mach doch". Die Polizei kam also ein zweites Mal und da die Reaktion ähnlich der beim ersten Mal war, klackten ziemlich schnell erneut die Handschellen und weg war er auch schon wieder, der gute Brasilianer. Unglaublich. Da kann man wohl nur den Kopf schütteln.
Ja, das sind so die Highlights der letzten Wochen.
Meine Tage hier in Tauranga gehen nun defininitiv zuende. Der Flug ist gebucht, am achten Februar geht es nach Queenstown. Dort treffe ich dann wieder auf Jannik und Victoria und zusammen wird dann die Westküste der Südinsel bereist. Auch wenn ich mich schon super auf die Zeit freue und richtig Bock habe, endlich mal so richitg durchs Land zu reisen, muss ich doch sagen, dass es mir sehr, sehr schwer fällt, aus Tauranga wegzugehen. Denn es bedeutet Abschied nehmen von so vielen tollen Leuten. Pia und Celine natürlich, aber bei den beiden bin ich mir sicher, dass wir uns wiedersehen und wenn es erst zurück in Deutschland ist. Aber auch von Linn und Mart, mit denen wir so viel Scheiß gemacht und Spaß gehabt haben. Und auch wenn Norwegen bzw. Holland nicht aus der Welt sind, wird es wohl doch ein Abschied für länger, wenn auch hoffentlich nicht für immer. Von unserer "Familie" hier im Hostel heißt es allerdings Abschied für immer. Und dieser Gedanke ist wirklich fies. Wir hatten alle zusammen eine wahnsinnig tolle Zeit hier, da fällt es schwer, weiterzureisen.
Aber auch die schönsten Zeiten gehen vorbei und es werden andere tolle kommen! In diesem Sinne komme ich nun auch zum Ende und verabschiede mich mit den allerliebsten Grüßen, in der Hoffnung noch diese Woche mit Bildern von Delphinen dienen zu können...


